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Pflegereform 2021: einmal Rolle rückwärts

Die für das Jahr 2021 angekündigte Pflegereform geht in die nächste Runde. Nach dem im Oktober 2020 verabschiedeten Eckpunktepapier liegt nun ein inoffizieller Arbeitsentwurf für ein Pflegereformgesetz vor, der zahlreiche Leistungsveränderungen in der Pflege vorsieht. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) begrüßt die geplante Einführung eines Steuerzuschusses aus Bundesmitteln und die Einführung einer regelhaften Leistungsdynamisierung. Den neuen Vorschlag zur Reduzierung der Eigenanteile in der vollstationären Pflege hält der vzbv aber für inkonsequent und völlig unzureichend.

„Zu den Eigenanteilen in der Pflege kommen als weitere Belastungen noch die Kosten für Unterkunft, Verpflegung und Investitionen des Heimes. Die Gesamtkosten für den einzelnen Heimbewohner belaufen sich auf bundesweit über 2.000 Euro monatlich. Bei einer Durchschnittsrente von 1.500 Euro ist das nicht finanzierbar“, so Klaus Müller, Vorstand des vzbv. „Das ist eine herbe Enttäuschung für jeden Heimbewohner in Deutschland und definitiv als Rolle rückwärts zu werten.“
Keine Deckelung der Pflegeheimkosten

Vergangenes Jahr kündigte das Bundesgesundheitsministerium (BMG) an, den Eigenanteil für Pflegebedürftige an den Pflegekosten im Heim für die ersten drei Jahre auf 700 Euro monatlich zu begrenzen und im Anschluss ganz entfallen zu lassen.

Jetzt plant das BMG für Betroffene künftig erst ab dem zweiten Jahr im Heim einen finanziellen Zuschuss in Höhe von 25 Prozent, der sich im dritten Jahr auf 50 und im vierten Jahr auf 75 Prozent erhöhen soll. Die durchschnittliche Verweildauer in deutschen Pflegeheimen beträgt jedoch lediglich 18 Monate, was bedeutet, dass Pflegebedürftige somit im ersten Jahr weiterhin keine finanziellen Entlastungen erfahren. Sie müssen den pflegebedingten Eigenanteil von bundesweit inzwischen deutlich über 800 Euro – mit weiter steigender Tendenz – alleine zahlen.

Die Investitionskosten zukünftig von den Bundesländern bundeseinheitlich mit 100 Euro pro Heimbewohner zu bezuschussen, bietet keine spürbare Entlastung für Verbraucherinnen und Verbraucher. Derzeit reichen die Investitionskosten von knapp 300 Euro in Sachsen-Anhalt bis rund 550 Euro in NRW. Im Bundesdurchschnitt belaufen sie sich auf knapp 500 Euro. Ein pauschaler Zuschuss unabhängig von den regionalen Gegebenheiten und ohne entsprechende jährliche Dynamisierung deckt keinesfalls die Pflegekosten.
Massive Einschränkungen in der Tages- und verhinderungspflege geplant

Auch in der häuslichen Pflege kommt es zu erheblichen Belastungen der Betroffenen. Zu den finanziellen kommen bereits heute zeitliche und emotionale Belastungen der pflegenden Angehörigen dazu. Rund drei Viertel der Pflegebedürftigen versorgen Verbraucher derzeit zu Hause; die meisten allein durch pflegende Angehörige. Hier sind mehr Unterstützungsangebote nötig, doch genau das scheint der vorliegende Entwurf zu verhindern. Bei gleichzeitiger Inanspruchnahme von Pflegesachleistungen und Leistungen der Tagespflege soll der Anspruch auf Tagespflege zukünftig auf 50 Prozent begrenzt werden. Gleiches gilt, wenn Pflegesachleistungen und Pflegegeld kombiniert werden, wobei die Pflegesachleistungen mindestens zu 50 Prozent in Anspruch genommen werden müssen. Diese Anrechnungsregelung gab es früher auch schon, wurde aber bewusst durch das Erste Pflegestärkungsgesetz aufgehoben.

Auch in der Verhinderungspflege sind Einschränkungen vorgesehen. Pflegebedürftige sollen nur noch 40 Prozent des Budgets für die Verhinderungspflege in Anspruch nehmen können, wenn pflegende Angehörige nicht tages-, sondern nur stundenweise eine Pflege durch eine Ersatzperson sicherstellen müssen. Das ist etwa bei einem Arztbesuch oder anderen wichtigen Terminen der Fall. Für viele Pflegebedürftige und pflegende Angehörige bedeutet das, dass sie sich eine häusliche Pflege organisatorisch wie finanziell nicht mehr leisten können und einen Umzug ins Heim erwägen müssen. Oft sind pflegende Angehörige gleichzeitig berufstätig und auf eine Tagespflegeinrichtung und stundenweise Inanspruchnahme der Verhinderungspflege angewiesen. Das ist der einzige Weg für sie die die häusliche Versorgung sicherzustellen und gleichzeitig berufstätig zu bleiben.

„Die genannten Budgetkürzungen sind nicht nur ein herber Rückschlag für Pflegebedürftige wie pflegende Angehörige. Sie sind auch gesellschaftspolitisch ein Rückschlag, wenn pflegende Angehörige ihre Arbeitszeit reduzieren oder ihre Berufstätigkeit ganz aufgeben müssen, weil eine Vereinbarkeit von Beruf und Pflege nicht mehr machbar ist. Dass sich Pflegebedürftige zudem die zusätzlichen Kosten für die Tagespflege nicht leisten können, ist ein Skandal“, so Müller.

Der vzbv fordert, die vorgenannten Budgetkürzungen in der ambulanten Pflege umgehend aus dem Entwurf zu streichen und endlich für substanzielle finanzielle Entlastungen der Pflegeheimbewohner zu sorgen.

Dies ist auch eine der Kernforderungen des vzbv im Rahmen seiner Bundestagswahlkampagne, zu der Sie hier mehr Informationen finden: https://www.vzbv.de/themen/bundestagswahl-2021

Die Bedeutung von Gefühlen, Sex und Partnerschaft nach Schlaganfall

Sexualität spielt, so könnte man meinen, nach einem Schlaganfall keine große Rolle (mehr). Doch ist bei vielen Betroffenen sogar das Gegenteil der Fall. „Entsprechende Statements von Menschen nach einem Schlaganfall zeigen, dass ihre Bedürfnisse in Bezug auf Partnerschaft und Miteinander, Zärtlichkeiten und das Sexualleben sogar einen größeren Stellenwert einnehmen als vor dem Schlaganfall“, betont Lisa Spreitzer. Die Ergotherapeutin im DVE (Deutscher Verband Ergotherapie e.V.) hat sich auf ‚Sexualität bei Menschen nach einem Schlaganfall‘ spezialisiert. Bei ihrer Arbeit hat sie viele überraschende Erkenntnisse zu diesem Thema gewonnen.

Erleidet ein Mensch in Deutschland einen Schlaganfall, steht direkt ein Netzwerk aus verschiedenen medizinischen Disziplinen bereit, wozu unter anderem Ergotherapeuten gehören. Ihre Spezialität: Sich auf den Alltag der Betroffenen fokussieren, immer mit dem Blick auf das, was demjenigen in seinem Leben etwas bedeutet, was ihn antreibt, was zu seinem Lebensglück führt. Das ist bei jedem etwas anderes. Was jedoch bei allen Menschen gleichermaßen wichtig ist, ist das Bedürfnis nach Liebe, Geborgenheit, Zärtlichkeit und Sexualität.

Sexualität noch immer bei vielen ein Tabu Da bilden Menschen nach einem Schlaganfall keine Ausnahme, unabhängig vom Alter, denn von einem Schlaganfall sind häufig auch junge Menschen betroffen. Ein Schlaganfall kommt aus heiterem Himmel und verändert das Leben Betroffener radikal – nichts ist mehr wie zuvor, auch bei denen, die einen leichteren Schlaganfall erleiden. Ihr Alltag und damit alle Aktivitäten und ebenso die gesamte Gefühlsebene sind zunächst komplett ausgehebelt. Die Ergotherapeutin Lisa Spreizer ist die Autorin der Broschüre ‚Liebe, Lust und Leidenschaft‘, die die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe kostenlos abgibt. Für diese Arbeit hat sie unterschiedlich schwer von einem Schlaganfall Betroffene befragt, die bereit waren, sich zum Thema Sex und Liebe nach dem Schlaganfall offen zu äußern. „Dadurch, dass wir diese Informationen an die Öffentlichkeit bringen, fühlen sich auch andere Betroffene verstanden und wissen, dass ihre Wünsche und Vorstellungen etwas Natürliches und sie damit nicht alleine sind“, ist sich die Ergotherapeutin sicher. Die Antworten der Befragten zeigen, dass Sexualität seit dem Schlaganfall eine sehr große Bedeutung hat; für manche sogar eine größere als zuvor. Und welche Erleichterung sie erlebten, als sie – meist zunächst durch Selbstbefriedigung – feststellen durften: Lust und Erregung sind da, die Erektion kommt zustande, wenigstens das funktioniert noch. Auch hatten die Befragten den Wunsch, dass der Partner oder die Partnerin gerade in der für sie so schwierigen Zeit für sie da sein sollte. Und zwar nicht nur, um die Versorgung und das pflegerisch Notwendige sicherzustellen. Vielmehr wollten sie sich gerade jetzt geliebt fühlen – auch körperlich.

Kommunikation das A & O nach dem Schlaganfall Meist sind beide Partner mit der neuen Situation überfordert, wissen nicht, wie sie nach dem Schlaganfall miteinander umgehen können. Über Gefühle oder – insbesondere sexuelle – Wünsche zu sprechen, fällt vielen schwer; es findet hierzu bei den wenigsten eine direkte, offene und ehrliche Kommunikation statt. Das Dilemma: die Denkmuster im Kopf. „Die Aussagen Betroffener und deren Partner belegen das“, bestätigt die Ergotherapeutin Spreitzer. „Frauen fühlen sich förmlich als ‚Sexmonster‘, wenn sie Lust auf ihren Partner haben. Sie denken zum Beispiel, der Mann sei durch den Schlaganfall nicht mehr in der Lage, hätte kein Verlangen nach Sex mit ihr oder es ginge ihm einfach zu schlecht, um sie und ihre Bedürfnisse zu befriedigen.“ Dabei wäre alles unkompliziert, wären Paare imstande, auch darüber miteinander zu reden oder den anderen einfach zu fragen. Oft ist es so, dass der Mann trotz oder gerade wegen des Schlaganfalls durchaus gerne Nähe, Zuneigung und Sex hätte. Es aber ebenso wenig ausspricht, wie die Partnerin, weil er sich ‚versehrt‘ oder nicht mehr so attraktiv findet wie vor dem Schlaganfall. Dass Betroffene sich dennoch und grundsätzlich öffnen können, erlebt Lisa Spreitzer in der ergotherapeutischen Praxis. Stellt sie Fragen zu den Gefühlen, bricht es häufig aus ihrem Gegenüber heraus, wenn Liebe, Zärtlichkeiten und Sex zu kurz oder gar nicht mehr in deren Alltag vorkommen.

Die Liebe wieder anbahnen Mit viel Fingerspitzengefühl und eher anleitend als vorschlagend erarbeiten Ergotherapeuten wie Lisa Spreitzer mit ihren Patientinnen und Patienten, welche Möglichkeiten es gibt, um der Liebe, also auch der körperlichen Liebe, wieder den Weg zu ebnen. „Wir erarbeiten das gemeinsam, die Patienten und ich“, erklärt die Ergotherapeutin. Es ist eine typisch ergotherapeutische Herangehensweise, Impulse und Gedankenanstöße zu geben. So entstehen Raum und Gelegenheit, damit die Betroffenen für sich passende eigene Ideen entwickeln können. Darüber hinaus gibt es Aufgaben vom Ergotherapeuten, um das Miteinander wieder anzubahnen. So soll das Paar etwa einen festen, gemeinsamen Abend verabreden, wo es nur um das Paar-Sein geht: Darüber reden, was einen verbindet, was man am anderen mag und schätzt oder auch konstruktiv das anzusprechen, was einem nicht gefällt. Gemeinsam herauszufinden, welche Aktivitäten jetzt noch möglich sind, ist der nächste Schritt und je nach dem, wie schnell das Paar wieder zueinander findet, ist sowieso alles möglich und erlaubt.

Ergotherapeuten arbeiten auf psychischer… Um das auch im Kopf der Patientinnen und Patienten dauerhaft und fest zu verankern, ist es nahezu immer notwendig, zuvor Ängste abzubauen. Ängste sind ein zentrales Thema bei Menschen, die einen Schlaganfall erlitten haben. Eine bei beiden Geschlechtern weit verbreitete Sorge ist, sexuelle Aktivitäten mit dem Partner oder mit sich selbst könnten den Blutdruck und das Herz-Kreislauf-System derart belasten, dass es zu einem erneuten Schlaganfall kommt. Das ist medizinisch nicht begründet und gehört daher zu den zu ersetzenden Denkmustern. Ein weiterer Bestandteil der ergotherapeutischen Arbeit ist die vertiefte Aufklärung zur Erkrankung. So erfahren Betroffene manchmal zu ihrem Erstaunen, dass Liebe und Sex sich sogar positiv auswirken, unter anderem auch deshalb, weil der Körper dabei Glückshormone ausschüttet.

…und auf körperlicher Ebene Wer einen Schlaganfall erlitten hat, wird beim Ergotherapeuten so sehr mit sich, seinem Körper und seinen Empfindungen konfrontiert, wie nie zuvor. Im Laufe der ergotherapeutischen Intervention entsteht ein ganz anderes Körperbewusstsein. Ergotherapeuten verbessern unter anderem die durch den Schlaganfall verursachten Wahrnehmungsstörungen, leiten ihre Patientinnen und Patienten an, wie sie mit Reizen wie Vibration oder Berührung die vom Schlaganfall betroffenen Körperregionen allmählich reaktivieren können. Sie schulen die Wahrnehmung, fragen, wie sich das Empfinden verändert, wenn derjenige liegt, steht oder eine Unterstützungsfläche hat. Sie ermuntern die Betroffenen, zu experimentieren und selbst herauszufinden, was funktioniert. All das hat Auswirkungen auf den gesamten Alltag, sprich auch die ganze Bandbreite von Liebe, Sex und Zärtlichkeit.

Informationsmaterial zu den vielfältigen Themen der Ergotherapie gibt es bei den Ergotherapeuten vor Ort; Ergotherapeuten in Wohnortnähe auf der Homepage des Verbandes unter https://dve.info/service/therapeutensuche

Sport bewegt Menschen mit Demenz

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) will das Sport- und Bewegungsangebot für ältere Menschen mit seinem Projekt "Sport bewegt Menschen mit Demenz" weiter ausbauen. In Kooperation mit der Deutschen Alzheimer Gesellschaft (DAlzG) stellt der DOSB deshalb interessierten Vereinen umfangreiches Informationsmaterial zum Thema Sport und Demenz in einer Materialbox zur Verfügung. Die Box, die als Päckchen daherkommt, bietet Anregungen für die Integration von Menschen mit beginnender Demenz sowohl in bereits bestehende Gruppen im Sport der Älteren als auch für die Einrichtung von speziellen Sportgruppen für Menschen mit Demenz.

Derzeit leben 1,6 Millionen Menschen mit Demenz in Deutschland. Ihre Lebensqualität kann durch gezielte Bewegungs- und Gedächtnisübungen gesteigert und der Krankheitsverlauf positiv beeinflusst werden. Wie Sport konkret dazu beitragen kann, dazu gibt die Broschüre „Sport bewegt Menschen mit Demenz“ wertvolle Informationen und Anregungen. Die Materialbox enthält zudem das Buch „Sport und Bewegung für Menschen mit Demenz“ mit vielfältigen Erfahrungen und Stundenbildern von Birgit Backes, Uschi Wihr und Prof. Matthias Maschke sowie Postkarten mit „Dual-Tasking-Aufgaben“ (gleichzeitig zu erfüllende motorische und mentale Aufgaben) und Materialien für die Übungsstunden.

Zum Ausbau des Bereiches „Sport für Ältere“ wird innerhalb der Nationalen Demenzstrategie das Projekt „Sport bewegt Menschen mit Demenz“ vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert. Monika Kaus, Vorsitzende der DAlzG, begrüßt dieses Projekt sehr: „Wir brauchen solche Initiativen, damit Menschen mit Demenz und ihre Angehörige weiter ihren gewohnten Aktivitäten nachgehen können und damit mehr Lebensqualität gewinnen“.

Vier Teilprojekte, die Landessportbünde Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, der Deutsche Tischtennis-Bund sowie der Deutsche Turner-Bund werden konkrete Maßnahmen erproben mit dem Ziel, Menschen mit Demenz zu bewegen. Aber auch in weiteren Mitgliedsorganisationen gibt es bereits wertvolle Ideen, wie Sport für Menschen mit Demenz umgesetzt werden kann. Andreas Silbersack, Vizepräsident des DOSB, betont: „Der DOSB setzt sich dafür ein, dass immer mehr seiner 90.000 Sportvereine bedarfsgerechte Sport- und Bewegungsangebote für diese Zielgruppe anbieten.“

Ende des Jahres sollen die Ergebnisse in einer Abschlusstagung vorgestellt werden.

Weitere Infos: richtigfitab50.dosb.de/demenz

Die Materialbox wird ab Mitte Februar verschickt und kann kostenfrei bestellt werden unter: info[at]deutsche-alzheimer.de

Wenn Medikamente die Fahrtauglichkeit beeinflussen

Medikamente helfen gegen viele Krankheiten und ermöglichen chronisch Kranken ein weitgehend normales Leben. Doch viele Medikamente können die Verkehrstüchtigkeit einschränken und das Auto- oder Motorradfahren für sich und andere gefährlich machen. „Medikamente können müde und schläfrig machen, Sehstörungen und Schwindel hervorrufen, die Konzentration und Reaktionsfähigkeit reduzieren oder motorische Störungen auslösen“, warnt Andrea Häußler, Verkehrsexpertin und Mitglied der Geschäftsleitung der TÜV SÜD Life Service GmbH.

Viele Menschen, die täglich im Straßenverkehr unterwegs sind, sind sich der möglichen Nebenwirkungen von eingenommenen Medikamenten nicht bewusst. Besonders Arzneimittel, die eine dämpfende Wirkung auf das zentrale Nervensystem haben, beeinflussen aber das Fahrvermögen. Schmerzmittel, Medikamente gegen Fieber und Entzündungen, Antidepressiva, Schlaf- und Beruhigungsmittel sowie Medikamente gegen Herzrhythmusstörungen und Bluthochdruck können ebenso wie Allergiemittel (Antihistaminika) die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen. Gründe dafür sind eine verringerte Konzentrationsfähigkeit und ein vermindertes Reaktionsvermögen. Aber auch viele rezeptfreie Präparate, pflanzliche Heilmittel und sogar Nahrungsergänzungsmittel führen möglicherweise dazu, dass Fahrzeuge nicht mehr sicher gelenkt werden können. Darunter sind Schmerzmittel, Schnupfensprays, Hustensäfte, Augentropfen oder Appetitzügler. Werden mehrere Arzneimittel gleichzeitig eingenommen, können außerdem Wechselwirkungen auftreten, die die Verkehrstüchtigkeit einschränken. Manche Medikamente enthalten außerdem einen hohen Alkoholanteil – hier verbietet sich das Führen eines Fahrzeugs von selbst.

Beipackzettel unbedingt beachten

Wenn ein Arzneimittel die Reaktionsfähigkeit und Verkehrstüchtigkeit beeinträchtigen kann, muss auf dem Beipackzettel oder der Verpackung ein entsprechender Warnhinweis angeführt sein. Aber auch andere Nebenwirkungen wie Schwindel, Kopfweh oder allergische Reaktionen können die Verkehrstüchtigkeit stark einschränken.

Fahrtauglich? Eigenverantwortung ist gefragt

Es gibt kein Gesetz, welches ausdrücklich Medikamente im Straßenverkehr verbietet. Jeder Verkehrsteilnehmer muss aber vor Fahrtantritt selbst entscheiden, ob er in der Lage ist, ein Fahrzeug zu lenken. Oft empfiehlt sich ein klärendes Gespräch mit dem Arzt/der Ärztin darüber, ob verschriebene Medikamente – möglicherweise in Kombination mit anderen Präparaten – die Fahrtüchtigkeit beeinflussen. Wer trotz Fahruntauglichkeit ein Fahrzeug lenkt, verliert bei einem Unfall unter Umständen den Versicherungsschutz oder begeht schlimmstenfalls sogar eine Straftat nach §315c StGB.

Bei diesen Medikamenten sollten Verkehrsteilnehmer vorsichtig sein:

  •     Schlaf- und Beruhigungsmittel
  •     Narkose-/Betäubungsmittel
  •     Psychopharmaka
  •     Mittel gegen Allergien
  •     starke Schmerzmittel
  •     Erkältungsmittel
  •     Augenpräparate
  •     Mittel gegen hohen Blutdruck oder Diabetes

Weitere Infos gibt es unter: https://www.tuvsud.com/de-de/branchen/mobilitaet-und-automotive/fuehrerschein-und-pruefung/mpu-untersuchungen-bei-tuev-sued-life-service

25.03.2021 DGA | Quelle: TÜV Süd AG



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